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Verwöhnungsphänomene |
Gegenmaßnahmen |
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Arbeitsblätterflut, zu viele Kopien |
Selbstgestaltung |
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‚Wander’-tag mit Bus |
Ausflug zu Fuß |
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Vergessene Schulsachen |
Konsequenzen selbst erfahren |
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Inflation des Lobes |
Angemessenes Lob |
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Permanente Motivierung |
Schule darf langweilig sein |
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Lückentexte |
Selber schreiben |
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‚Servierteller’-Didaktik, zu vieles mundgerecht aufbereiten |
Mehr entdeckendes Lernen |
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zu viel Verständnis |
Konsequenz |
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zu intensive Stoffaufteilung |
Mehr Eigeninitiative |
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Essen und Trinken im Unterricht |
Regeln aufstellen und einhalten |
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Wiederholen trotz klarer Aussage |
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Medienflut |
Reproduktion |
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Respektlosigkeit |
Hinweisen und überzeugen |
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Überempfindlichkeit |
Verständnis und Konsequenz |
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Konzentrationsmangel |
Brain-Gym |
Die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) bietet
über das Internet Beratung für Jugendliche, die Adresse
lautet www.bke-jugendberatung.de.
Dieses speziell für Jugendliche geschaffene Angebot bietet Rat bei
Problemen, mit denen Jugendliche in Schule und Freizeit konfrontiert
sind: Mobbing, (sexuelle) Gewalt, familiär belastende Situationen,
Drogen, Lernprobleme, Esstörungen, um nur einen Ausschnitt aus der
Fülle der Fragen zu nennen, die an uns gerichtet werden. Unsere
Einzelberatung hilft individuell und schnell, dabei völlig anonym
und selbstverständlich kostenfrei. Die Beraterinnen sind
langjährig erfahrene Fachkräfte, die in anerkannten sozialen
Beratungsstellen arbeiten. Neben der Einzelberatung bieten wir die
Beratung im Gruppenchat sowie im Forum (im Sinne von Selbsthilfe) an.
Trotz der hohen Akzeptanz bei denen, die unser Angebot nutzen
müssen wir feststellen, dass das Angebot noch immer wenig bekannt
ist. Versuche, das Angebot über die Vertrauenslehrer in den
Schulen bekannt zu machen, zeigen bislang nicht den gewünschten
Erfolg.
Deshalb dürfen wir uns heute an Sie wenden mit der Bitte, das
Angebot gegenüber den Schulen (und dort inbesondere gegeüber
den den Vertrauenslehrern) bekannt zu machen. Sie können am besten
einschätzen, welche Wege gegangen werden müssen, damit die
Information zur Zielgruppe gelangt und würden uns über Ihre
Mithilfe freuen.
Schön wäre auch, wenn es zu einer aktiven Auseinandersetzung
mit dem Thema "Beratung für Jugendliche" kommen könnte. Eine
von uns angedachte Möglichkeit könnte darin bestehen, im
Kunstunterricht Plakate zum bke-Angebot zu fertigen. Wir haben einen
Wettbewerb ausgelobt, die drei besten Plakate werden prämiert und
das Gewinnerplakat stellt das Motiv für die zweite Werbestaffel.
Denkbar schien uns auch, das Thema "Beratung" innerhalb des
Sozialkunde- und Religionsunterricht zu diskutieren: was ist
psycho-soziale Beratung, wer hat Anspruch auf diese Leistungen nach dem
Kinder- und Jugendhilfegesetz usw.
Wir haben mit den Schülervertretungen Kontakt aufgenommen mit dem
Angebot, diese an der laufenden Verbesserung des Angebotes durch aktive
Rückmeldung zu beteiligen. Sie kennen die Bedürfnisse der
Zielgruppe bestens und wir wollen deren Ideen und Erfahrungen in unser
Projekt einfließen lassen.
Das Beratungsprojekt ist mit Beschluss der Jugendministerkonferenz aus
dem Jahr 2003 als dauerhafte Einrichtung vorgesehen. Im nichtamtlichen
Teil der Amtsblätter der Kultusministerien der Länder wurde
auf das Angebot gegenüber der Lehrerschaft hingewiesen. Das Land
Bayern ist federführendes Land im Beirat der Bundesländer.
Über Ihre Rückmeldung würde ich mich freuen.
Mit freundlichen Grüßen
Heinz Thiery
--
Leiter der virtuellen Beratungsstelle der
Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e.V.
Herrnstr. 53
90763 Fürth
Tel.: 0911 - 9 77 14 19
Mail: thiery@bke.de
Internet: www.bke-jugendberatung.de
www.bke-elternberatung.de
KMS vom 21.10.2004 (Nr.:
IV.7-5 O 8110-4.106
107 2427)
Erziehungskompetenz-Team für den Förderschwerpunkt
emotionale und soziale Entwicklung in jedem Regierungsbezirk
Unter dem Begriff Erziehung versteht man (Quelle: www.wikipaedia.de):
1 die Etablierung von Verhaltensweisen, Grenzziehungen, Werten und Normen gegenüber Kindern und Jugendlichen, um ihnen ihrern Platz in der Familie zuzuweisen und später, um sie an das Leben und Überleben in der Gesellschaft anzupassen ("fit for life"). Innerhalb der weiterführenden Schulen ist Erziehung heutzutage gleichbedeutend mit Bildung. Im Englischen bedeutet der Ausdruck "education" Erziehung und Bildung.
2 Das Wort Erziehung bezeichnet auch die eigene Erziehung, also die Verhaltensweisen, Werte und Normen, die uns Eltern, Verwandte, Schule und andere pädagogische Einrichtungen als Prägung mit auf den Weg ins Erwachsenenleben mitgegeben haben.
3 Als Suffix in z.B. Musikerziehung,
Sporterziehung,
Verkehrserziehung
für die Ausbildung von speziellen Fähigkeiten.
In der Pädagogik versteht man unter Erziehung das absichtliche (also nicht im Affekt) Bereitstellen oder Ausnützen von Lernmöglichkeiten! Dabei geht man bewusst, planvoll, methodisch und zielgerichtet vor und kann dieses Vorgehen auch verantworten. Das heißt, der Erziehende macht sich vorher darüber Gedanken, was er erreichen möchte. Er überlegt sich die Erziehungsziele, die dazu passenden Methoden die Ziele zu realisieren und kann auch begründen, warum dieses Vorgehen nötig ist.
Dieser Vorgang geschieht grundsätzlich in personaler Interaktion. Das heißt, der Erzieher reagiert auf ein Verhalten des Zu-Erziehenden (früher auch: "Zögling") und/oder umgekehrt. Die dabei entstehende Wechselwirkung (keine Manipulation) zwischen Erzieher und Zu-Erziehende unterscheiden die Erziehung von der bloßen Konditionierung.
Voraussetzung für Erziehung ist ein Vertrauensverhältnis
sowie die Eingebundheit in die jeweilige Peer group. Ohne diese
Voraussetzungen ist
der Jugendliche auf sich allein gestellt, und kann bei ungünstigen
Voraussetzungen in eine soziale Abwärtsspirale geraten, die
ihn je nach Veranlagung bis in die Kriminialität oder die
Psychiatrie führen kann.
Unter Bildung versteht Hartmut von Hentig
Kurz gefasst unterscheidet er also drei Bereiche: die persönliche Bildung, die politische Bildung und die berufliche Bildung.
Hentig hat Maßstäbe formuliert, an denen sich Bildung »messen« lässt. Damit meint er keinen Lernstoff, der sich durch Tests messen ließe, sondern Dinge, die im Menschen vorhanden sein müssen, wenn Bildung wirklich stattgefunden hat. Es sind dies
Daraus wird deutlich, dass es bei der Bildung auf zwei große
Bereiche ankommt: Sachen zu klären und Menschen zu stärken.
Mögliche Bildungsziele sind
Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt,
Achtung
vor der Würde
des Menschen,
Selbstbeherrschung und Spontaneität, Verantwortungsgefühl
und Verantwortungsfreudigkeit,
Hilfsbereitschaft, Aufgeschlossenheit
für alles Wahre, Gute und Schöne, Ehrfurcht
vor allem Lebendigen, Achtung vor der Überzeugung des anderen, Toleranz,
Nächstenliebe, Gerechtigkeit,
sittliches und politisches Verantwortungsbewusstsein, Frieden,
berufliches
Können,
soziales Handeln,
freiheitlich
demokratische Haltung, Bewusstsein der zentralen
Schlüsselprobleme der Menschheit,
Solidarfähigkeit, Selbstbestimmung, Fähigkeit zu
urteilen Fähigkeit zum eigenen Standpunkt
und Kritikfähigkeit.
Bündnis für Erziehung (Quelle:
www.bildungsportal.nrw.de)
Quelle: http://www.drogenfreie-erziehung.de/
Der Bund für drogenfreie Erziehung e.V. (BdE) ist eine Arbeitsgemeinschaft, in der PädagogInnen, Eltern, Jugendgruppen-Leiterinnen und andere zusammenfinden, die an einer aktiven Suchtvorbeugung interessiert sind.
Sucht wird von ihnen als eine mögliche Folge ausweichenden Verhaltens verstanden, bei dem sich durch zunehmende Gewöhnung an dieses Verhalten ein Zwang entwickelt hat, ein bestimmtes Mittel (Tabak, Alkohol, Medikamente, Nahrungsmittel, illegale Drogen) immer wieder einnehmen oder eine bestimmte Tätigkeit (Fernsehen, Spielen, Arbeiten) ständig wiederholen zu müssen.
Suchtvorbeugung muss also ausweichendes Verhalten aufzeigen und Alternativen anbieten, wie auf unangenehme Situtationen, Menschen oder Entscheidungen reagiert werden kann, ohne dass sich eine Gewöhnung an das Ausweichen einstellt.
Der BdE widmet seinen Arbeitsschwerpunkt den Suchtformen, die mit einer Mitteleinnahme – dem Suchtmittel – verbunden sind. Besonderes Augenmerk richtet er hierbei auf die legalen Drogen Nikotin und Alkohol.
Der BdE möchte mit seiner suchtvorbeugenden Arbeit dem Gebrauch
dieser »Alltagsdrogen« ebenso entgegenwirken wie
jenem illegaler Drogen. Dabei will der BdE
Aufgrund seines Verständnisses der Suchtentstehung möchte
der BdE ganz besonders solche Aktivitäten unterstützen,
die ihm geeignet erscheinen,
Der BdE ist hervorgegangen aus dem 1896 in Flensburg gegründeten Deutschen Verein enthaltsamer Lehrer, einem Berufsverband der Abstinenzbewegung, der später Deutscher Bund für alkoholfreie Kultur hieß. Seit 1980 arbeitet er unter dem gegenwärtigen Namen.
Die alkoholfreie Lebensweise wird auch heute noch von den Mitgliedern des BdE als sichtbarer Ausdruck einer Alternative zum Suchtmittelkonsum verstanden.
Darüber hinaus steht der BdE jedoch allen offen, die selbst
nicht alkoholfrei leben, die aber die Grundsätze und Ziele des BdE
anerkennen und seine Arbeit unterstützen wollen.
(Quelle: www.drogenfreie-erziehung.de/)
Werte-Erziehung
Werte-Erziehung vollzog sich in der Vergangenheit gleichsam
von selbst. Sie war ein selbstverständlicher Teil dessen, was
allgemein als Sozialisation bezeichnet wird, und beruhte ganz
wesentlich auf dem Herkommen in Familie, Stand, Kirche, Gesellschaft.
Das gewährleistete Verhaltenssicherheit, doch band es die Menschen
so stark, dass diese Sicherheit als Knebelung empfunden wurde.
Aufklärung und Revolution, Freiheitsbewegung und Emanzipation
halfen die Fesseln abzustreifen.
In unsere Zeit erleben wir eine nicht
gewollte, jedoch dialektisch unausweichliche Gegenwirkung dieses
Prozesses. Freiheit kann zur Strapaze werden. Wenn alles möglich
ist, ist nichts mehr selbstverständlich. Die Vielzahl
unterschiedlicher Wertvorstellungen hat die Menschen von dem
Ausschließlichkeitsanspruch in früheren Zeiten befreit. Sie
lässt jedoch einerseits notwendige Grenzen verschwimmen und
löst andererseits Konflikte aus, die aus der Konkurrenz
gegensätzlicher Wertvorstellungen resultieren. Diese Konflikte
tragen sich nicht nur zwischen verschiedenen Individuen - interpersonal
- zu, sondern auch innerhalb des einzelnen Individuums - intrapersonal.
Die
Kardinaltugenden
In der europäischen Geistesgeschichte sind die Kardinaltugenden ein zentrales Thema philosophischen und theologischen Denkens; exemplarisch seien hier die Namen PLATON und THOMAS VON AQUIN genannt. Wie die Rede des Agathon in PLATONs Dialog „Das Gastmahl" (196 a - e) zeigt, müssen sie bereits damals im allgemeinen Bewusstsein vorhanden gewesen sein.
3.1 PLATON
PLATONs gesamtes Philosophieren ist eine intensive und umfassende Auseinandersetzung mit den sittlichen Leitlinien menschlichens Handelns. Als Kardinaltugenden nennt er
3.2 Tugenden im alten Rom
Die Wertvorstellungen
des alten Rom sind aus mehreren Gründen ideengeschichtlich
interessant. Schon früh haben die Römer eigene und sehr
spezifische Wertvorstellungen entwickelt. Diese waren religiös
fundiert und zugleich ausgeprägt gesellschaftlich orientiert.
Typisch für die Grundhaltung der Römer ist es, dass sie als Pflichten
und Gebote verstanden wurden, die unbedingt zu befolgen waren.
Auch als die Römer die griechische
Philosophie und ihre Lehre von den Kardinaltugenden kennengelernt
hatten, blieben die „altrömischen" Wertvorstellungen
wirkungsmächtig und beeinflussten ihrerseits das
nachrömisch-europäische Denken.
Als zentrale Beispiele seien im an Anschluss
an Gabriele THOME (2000 I, S. 135, II S. 152) aufgeführt
und zugleich deren Bedeutungsentwicklung genannt:
3.3 THOMAS VON AQUIN
THOMAS VON AQUIN wird hier als der repräsentative Denker der christlichen Ethik vorgestellt. Er übernahm die Kardinaltugenden der Antike, doch ergänzte er sie in dem System seiner Ethik durch ein christliches Gegenstück, wie es von dem Apostel PAULUS (1. Brief an die Korinther 13, 13) formuliert worden ist - die Dreiheit von
Den Rang einer Kardinaltugend nimmt die Nächstenliebe ein, weil sie in der christlichen Ethik einen besonderen Stellenwert hat. Im Evangelium nach Matthäus (22, 27-28) wird Jesus von Nazareth zitiert. Sich auf das Alte Testament beziehend (5. Mose 6,5) spricht er:
„Du sollst lieben Gott, deinen Herrn,
von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte.
Dies ist das vornehmste und größte Gebot.
Das andre aber ist dem gleich:
»Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.«
3.4 Frühe Neuzeit
Bei GEULINCK, einem Autor des 17. Jahrhunderts, findet sich eine Aufzählung von Kardinaltugenden, die - aus der Sicht unserer Tage - zur Problematik sekundärer Tugenden überleitet:
Hier sei angemerkt, dass die - heute eher skeptisch oder ablehnend betrachteten - bürgerlichen Tugenden in ihrer Zeit einen besonderen Stellenwert gewonnen hatten. Sie waren die Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg. Damit trugen sie zur Unabhängigkeit des Bürgertums gegenüber den Wertvorstellungen und Herrschaftsansprüchen des Adels dar und hatten - modern gesprochen - eine geradezu emanzipatorische Funktion.
3.5 Hallescher Pietismus und „preußische" Tugenden
Geradezu exemplarisch wird die Bedeutung der Tugenden in der Pädagogik des Theologen und - modern gesprochen - Sozialpädagogen August Hermann FRANCKE sichtbar. Nicht nur seine Leistung, sondern auch die von ihm formulierten Maximen können nur dann angemessen gewürdigt werden, wenn man sie vor dem Hintergrund eines Elends sieht, wie es heutzutage die Straßenkinder in der Dritten Welt durchleiden.
Fünf Werte und Tugendfelder waren in FRANCKEs Handeln besonders wichtig:
Das sind keine Kardinaltugenden im Verständnis unserer Zeit. Im Halleschen Pietismus bei bildete jedoch für jede dieser Tugenden der christliche Glaube den unmittelbaren Bezugspunkt. Tugendhaftigkeit war - im weiteren Sinne des Wortes - Gottesdienst.
Der Einfluss FRANCKEs
und seiner zahlreichen Schüler auf die Entwicklung Preußens
war beachtlich. Er wurde kürzlich in einer Ausstellung der
Franckeschen Stiftungen zu Halle eindrucksvoll dokumentiert und in
differenzierter Form rehabilitiert. Wenn Sie sich kurz über H. A.
FRANCKE informieren wollen finden Sie hier
eine Übersicht seiner Lebensdaten, Tätigkeiten und
Leissssstungen. FRANCKEs sozialpädagogische und bildungspolitische
Leistung wird dargestellt und vorurteilsfrei gewürdigt von Peter
MENCK (2001).
Uns ist die Ambivalenz dieser Tugenden
offenkundig. Unvergessen ist das Verdikt Oskar LAFONTAINEs,
das seien Tugenden, „mit denen man ein KZ leiten könne" - so in
einer Replik gegenüber dem damaligen Bundeskanzler Helmut
SCHMIDT.
Doch auch in unserer Zeit mit ihren
postmateriellen Wertvorstellungen lässt sich die Einsicht nicht
abweisen, dass „sekundäre" Tugenden wie Zuverlässigkeit,
Pflichtgefühl, Verzicht- und Leistungsbereitschaft u.a. grundlegende
Voraussetzungen für Funktionieren und Bestand einer demokratischen
Staats- und Gesellschaftsordnung sind.
3.6 Die Rangordnung der Tugenden
Die Reihenfolge in der
Aufzählung der Kardinaltugenden ist zugleich auch eine
Rangordnung. In seiner tief schürfenden Analyse und Interpretation
der Kardinaltugenden kommt Josef PIEPER zu folgenden
Feststellungen.
Die Klugheit - als das Insgesamt menschlichen
Erkenntnisvermögens - ist Ursache, Wurzel, „Gebärerin",
Maß, Richtschnur aller Tugenden. Denn das Richtige kann nur tun,
wer die Wirklichkeit kennt. Sie ist somit die Ursache dessen, dass die
übrigen Tugenden Tugenden sind.
Der Bedeutungshorizont
des Wortes „Klugheit" enthält Aspekte, die dessen
umgangssprachliche Verwendung nicht ohne Weiteres assoziieren
lässt. Hier iist vor allem an die Fähigkeit zu
selbständigem Urteil und begründeten „Entscheidungen
unter pluralistischen Bedingungen" zu denken. Darauf hat
jüngst Clemens ALBRECHT (2001 S. 891) sehr
dezidiert aufmerksam gemacht.
Das wirklichkeitsgerechte Verständnis von
Klugheit wird wesentlich durch die Ergebnisse der neurobiologischen
Grundlagenforschung bestimmt. Sie werden in den Arbeiten von Gerhard
ROTH (1996/2000 und vor allem 2001) exemplarisch vorgestellt.
3.7 Der Bezugspunkt der Kardinaltugenden
Die vorstehenden
Gedanken sind nur unter der Voraussetzung schlüssig, dass sie
über den Menschen hinausweisen, also - in philosophischer
Begrifflichkeit - transzendent sind. Der Bezugspunkt aller
Aussagen, die PLATON zu Fragen der Ethik macht, ist
die Idee des Guten. Sie ist der Urgrund alles sittlichen
Handelns.
Damit ist ein fundamentales Thema der Ethik
berührt, nämlich die Frage, ob die Maßstäbe
menschlichen Handelns metaphysisch begründet, naturrechtlich
vorgegeben oder aber gesellschaftliche gesetzt sind. Das Ringen der
Philosophie um eine Lösung dieser zentralen Fragestellung kann
hier nicht im Einzelnen dargestellt werden, ist jedoch gerade in der
Gegenwart aktuell. Vertiefungen dazu finden Sie auf der Webseite
„Werte-Erziehung - Einführung
in das Thema".
Dass die Ideenlehre PLATONs
nicht lediglich historisch bedeutsam ist, sondern ihr Grundgedanke auch
als weiterhin aktuell angesehen werden kann, hat Wolfgang
STEGMÜLLER aufgezeigt. Wenigstens erwähnt seien auch Immanuel
KANTs drei epochale Werke Grundlegung zur Metaphysik der Sitten
(1785, 2. Auflage 1786), Kritik der praktischen Vernunft (1788)
und Die Metaphysik der Sitten (1797, 2. Auflage 1798).
3.8 Der Kategorische Imperativ
Immanuel KANT hat die Frage nach dem Maßstab sittlichen Handelns eine Antwort formuliert, die die in Nr. 3.5 erörterte Problematik offen lässt. Sein „Kategorischer Imperativ" bindet die Prinzipien, nach denen der Einzelne handeln soll, an die Bedingung, sie müssten sich zugleich dazu eignen, Prinzipien einer allgemeinen Gesetzgebung zu sein. Den Begründungszusammenhang und die Formulierungsvarianten finden Sie auf der Webseite „Der Kategorische Imperativ".
3.9 Die pädagogische Dimension
Hier braucht nicht
betont zu werden, dass die vorgestellten Sachverhalte und
überleguingen nicht gleichsam „pur" unterrichtet werden
können, sondern in ein jeweils altersgemäßes
didaktisches Konzept eingebettet werden müssen.
Wie gerade die Kardinaltugenden im Unterricht
behandelt werden können, dafür gibt Hans AEBLI
(1997, S. 102 ff.) einfühlsame Hinweise. Die Schlusspassage (S.
110 f.) sei zitiert:
„Die Betrachtung der antiken und der modernen Tugenden ist für den Erzieher kein Luxus, auch wenn sich daraus keine handfesten Schlußfolgerungen ergeben. Wenn wir ein Leben lang in der Schulstube stehen und die schwierige Aufgabe des Erziehens jeden Tag aufnehmen und uns darin bewähren müssen, so brauchen wir dazu Richtpunkte, die im Unendlichen liegen. [ ...] Wenn es uns auch immer wieder mißlingt, den großen Ideen der Ethik gerecht zu werden, und wir immer wieder feststellen, daß wir weit von ihrer Realisierung entfernt sind, so bleiben sie doch notwendig und hilfreich. Der Seefahrer erreicht den Polarstern auch nicht. Aber er braucht ihn, um die Richtung zu halten. Einem solchen Seefahrer gleicht auch der Erzieher."
Quelle: http://www.forumbildung.de/templates/index.php
Bildungsreform im Fokus
Nach
der 2001 vorgestellten PISA-Studie ist die Bildungslandschaft stark in
Bewegung geraten. Neue Initiativen und Reformprojekte wurden vom Bund
und den Ländern initiiert. Bildung PLUS berichtet über
Vorhaben und
Umsetzungen, die bildungspolitische Diskussion und
fachwissenschaftliche Untersuchungen.
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Pädagogische Forschung (DIPF) und in Zusammenarbeit mit dem Deutschen
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