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Zuletzt neu: Ergebnisse des workshops am 19.10.2004 in Ingolstadt; Angebot der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung

Verwöhnung in der Schule

Zusammenfassung der Ergebnisse des workshops am 19.10.2004 in Ingolstadt
 
 
Verwöhnungsphänomene
 
 
Gegenmaßnahmen
 
Arbeitsblätterflut, zu viele Kopien
 
Selbstgestaltung
 
‚Wander’-tag mit Bus
 
Ausflug zu Fuß
 
Vergessene Schulsachen
 
Konsequenzen selbst erfahren
 
Inflation des Lobes
 
Angemessenes Lob
 
Permanente Motivierung
 
Schule darf langweilig sein
 
Lückentexte
 
Selber schreiben
‚Servierteller’-Didaktik, zu vieles mundgerecht aufbereiten  
Mehr entdeckendes Lernen
 
zu viel Verständnis
 
Konsequenz
 
zu intensive Stoffaufteilung
 
Mehr Eigeninitiative
 
Essen und Trinken im Unterricht
 
Regeln aufstellen und einhalten
 
Wiederholen trotz klarer Aussage
 
 
 
Medienflut
 
Reproduktion
 
Respektlosigkeit
 
Hinweisen und überzeugen
 
Überempfindlichkeit
 
Verständnis und Konsequenz
 
Konzentrationsmangel
 
Brain-Gym
 
Eltern sensibilisieren: Elternabend zu diesem Thema? (z.B.: Eltern als ‚Bringservice’?)

Angebot der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung

Die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) bietet über das Internet Beratung für Jugendliche, die Adresse lautet www.bke-jugendberatung.de.

Dieses speziell für Jugendliche geschaffene Angebot bietet Rat bei Problemen, mit denen Jugendliche in Schule und Freizeit konfrontiert sind: Mobbing, (sexuelle) Gewalt, familiär belastende Situationen, Drogen, Lernprobleme, Esstörungen, um nur einen Ausschnitt aus der Fülle der Fragen zu nennen, die an uns gerichtet werden. Unsere Einzelberatung hilft individuell und schnell, dabei völlig anonym und selbstverständlich kostenfrei. Die Beraterinnen sind langjährig erfahrene Fachkräfte, die in anerkannten sozialen Beratungsstellen arbeiten. Neben der Einzelberatung bieten wir die Beratung im Gruppenchat sowie im Forum (im Sinne von Selbsthilfe) an.


Trotz der hohen Akzeptanz bei denen, die unser Angebot nutzen müssen wir feststellen, dass das Angebot noch immer wenig bekannt ist. Versuche, das Angebot über die Vertrauenslehrer in den Schulen bekannt zu machen, zeigen bislang nicht den gewünschten Erfolg.

Deshalb dürfen wir uns heute an Sie wenden mit der Bitte, das Angebot gegenüber den Schulen (und dort inbesondere gegeüber den den Vertrauenslehrern) bekannt zu machen. Sie können am besten einschätzen, welche Wege gegangen werden müssen, damit die Information zur Zielgruppe gelangt und würden uns über Ihre Mithilfe freuen.


Schön wäre auch, wenn es zu einer aktiven Auseinandersetzung mit dem Thema "Beratung für Jugendliche" kommen könnte. Eine von uns angedachte Möglichkeit könnte darin bestehen, im Kunstunterricht Plakate zum bke-Angebot zu fertigen. Wir haben einen Wettbewerb ausgelobt, die drei besten Plakate werden prämiert und das Gewinnerplakat stellt das Motiv für die zweite Werbestaffel.

Denkbar schien uns auch, das Thema "Beratung" innerhalb des Sozialkunde- und Religionsunterricht zu diskutieren: was ist psycho-soziale Beratung, wer hat Anspruch auf diese Leistungen nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz usw.


Wir haben mit den Schülervertretungen Kontakt aufgenommen mit dem Angebot, diese an der laufenden Verbesserung des Angebotes durch aktive Rückmeldung zu beteiligen. Sie kennen die Bedürfnisse der Zielgruppe bestens und wir wollen deren Ideen und Erfahrungen in unser Projekt einfließen lassen.


Das Beratungsprojekt ist mit Beschluss der Jugendministerkonferenz aus dem Jahr 2003 als dauerhafte Einrichtung vorgesehen. Im nichtamtlichen Teil der Amtsblätter der Kultusministerien der Länder wurde auf das Angebot gegenüber der Lehrerschaft hingewiesen. Das Land Bayern ist federführendes Land im Beirat der Bundesländer.


Über Ihre Rückmeldung würde ich mich freuen.


Mit freundlichen Grüßen

Heinz Thiery

-- 
Leiter der virtuellen Beratungsstelle der
Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e.V.
Herrnstr. 53
90763 Fürth
Tel.:         0911 - 9 77 14 19
Mail:         thiery@bke.de
Internet:     www.bke-jugendberatung.de
        www.bke-elternberatung.de


KMS vom 21.10.2004 (Nr.: IV.7-5 O 8110-4.106 107 2427)

Erziehungskompetenz-Team für den Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung in jedem Regierungsbezirk


Aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen werden die Schulen mit immer schwierigeren erziehlichen Situationen konfrontiert. Auf diesem Hintergrund vollzog sich insbesondere in den Schulen zur Erziehungshilfe im letzten Jahrzehnt ein Wandel. Schülerinnen und Schüler mit einem hohen Förderbedarf in der emotionalen und sozialen Entwicklung haben Lehrerinnen und Lehrer sowie Schulen vor die Aufgabe gestellt, interne Umstrukturierungen vorzunehmen. So wurden Konzepte aus Amerika (wie der entwicklungspädagogische Unterricht) oder aus Kanada (wie das ‚cooperative learning’) an deutsche Verhältnisse adaptiert und an Schulen zur Erziehungshilfe erprobt. Gleichzeitig hat sich ein Großteil der Schulen zur Erziehungshilfe auf den Weg gemacht, durch externe Beratung eine innere Entwicklung (ISEB) der Gesamtorganisation Schule voranzutreiben, die vor allem in Teamentwicklung mündete. Auf diese Weise konnten Schulen zur Erziehungshilfe die Erfahrung machen, dass durch Umorganisation sowie durch die Umsetzung von Erziehungskonzepten auch schwierigste Situationen immer besser zu bewältigen sind. Schule wird sich mehr den Bedürfnissen und Erfordernissen von Schülerinnen und Schülern mit einem hohen Förderbedarf in der emotionalen und sozialen Entwicklung anpassen müssen. So sollen durch die Bildung von Erziehungskompetenz-Teams, sogenannten E-Teams, erfolgversprechende Konzepte im Sinne einer weiteren Qualifizierung der Schulen vor Ort implementiert werden.

1. Zunahme von Schülerinnen und Schülern mit Förderbedarf in der emotionalen und sozialen Entwicklung
Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung sind in allen Schularten, insbesondere auch in allen Förderschularten, zu finden. Sich verändernde gesellschaftliche Bedingungen führen dazu, dass Schule verstärkt ihren erziehlichen Auftrag umsetzen muss. Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen aus dem Bereich der Schulen zur Erziehungshilfe haben durch die oben beschriebene Umstrukturierung Erziehungskompetenzen erworben, die zunächst in alle Förderschularten und durch den Mobilen Sonderpädagogischen Dienst in die allgemeinen Schulen transferiert werden sollen. Denn alle Schularten haben den Erziehungsauftrag zu erfüllen. Dieser ist aufgrund der Zunahme des Förderbedarfs in der emotionalen und sozialen Entwicklung bedeutender, aber auch schwieriger geworden.

2. Ein Erziehungskompetenz-Team in jedem Regierungsbezirk
Auf diesem Hintergrund wurde in Zusammenarbeit mit den Regierungen in jedem Regierungsbezirk für die Förderschule ein Team installiert, das über die Tätigkeit im Arbeitskreis am Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB), über regionale Treffen, sowie über eine Fortbildungsreihe - organisiert über die Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen - weitergebildet wird.

2.1. Erziehungskompetenz-Team
Das Erziehungskompetenz-Team (E-Team) ist ein Viererteam, bestehend aus einem Arbeitskreismitglied und je einer Person aus der Schulleitung, der Seminarleitung und aus dem Mobilen Sonderpädagogischen Dienst. Das Arbeitskreismitglied ist Feldexperte; als Sonderpädagogin bzw. Sonderpädagoge aus dem Bereich der Erziehungshilfe ist sie bzw. er damit Spezialist für emotionale und soziale Entwicklung auf der Basis von Erziehung. In den Arbeitskreistreffen am ISB werden bestehende Erziehungskonzepte analysiert, um daraus Bausteine für Erziehung zu entwickeln. Das Arbeitskreismitglied trägt die Inhalte in die regionalen Teams.

2.2. Arbeitskreismitglied als Bindeglied
Somit stellt das Arbeitskreismitglied das Bindeglied zum regionalen Team dar. Erarbeitete Inhalte werden im E-Team regional vermittelt und zu Fortbildungskonzepten weiterentwickelt, die den E-Teams zur Verfügung gestellt werden. Die Konzepte der Fortbildung und Beratung werden regionalen Bedürfnissen angepasst. Zusätzlich nimmt das Training erziehlicher Interventio
nen einen bedeutenden Raum ein, um es als Lehrertraining Kollegien anbieten zu können. Die regionalen Teams treffen sich mindestens ein Mal zwischen den Arbeitskreissitzungen.

3. Mögliche Aufgaben der Erziehungskompetenz-Teams
Die Aufgaben der E-Teams sind je nach Ausgangslage des Regierungsbezirkes sehr verschieden. Über Fortbildung und Beratung unterstützen sie generell Schulen, um Lehrerkollegien in ihrer Erziehungskompetenz zu stärken. Dazu muss das E-Team im jeweiligen Regierungsbezirk optimal vernetzt sein.

3.1. Vernetzung des Erziehungskompetenz-Teams im Regierungsbezirk
Da sich die regionalen Voraussetzungen in den jeweiligen Regierungsbezirken sehr unterscheiden, ist es dringend erforderlich, dass sich das E-Team in seinem Bezirk bestmöglichst vernetzt. Als Erziehungskompetenz-Team kann es regional variierend für die Beratung und Fortbildung folgender Institutionen bzw. Personengruppen zuständig sein:
• Koordinatorinnen und Koordinatoren für den Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung an Sonderpädagogischen Förderzentren
• Alternatives schulisches Angebot (AsA)
• alle Förderschularten
• Lehrerkollegien auch der Volksschulen über schulhausinterne Lehrerfortbildung
• Teams innerhalb von Förderschulen
• Mobile Sonderpädagogische Dienste
• mobile sonderpädagogische Hilfen
• Studienseminare
 
Die Vernetzung geschieht in enger Kooperation mit Schulpsychologinnen und Schulpsychologen, Beratungslehrerinnen und Beratungslehrern sowie weiteren Institutionen, insbesondere der Jugendhilfe, aber auch der Erziehungsberatung, der Kinder- und Jugendpsychiatrie, sowie der Polizei oder der Justiz. Es bietet sich an, sich im Regierungsbezirk mit den Tandems von ISEB (‚Interne Schulentwicklung durch Externe Beratung’) zu vernetzen, gerade, wenn die Stärkung der Erziehungskompetenz Thema interner Schulentwicklung ist.

3.2. Stärkung der Erziehungskompetenz an Förderschulen
Es ist davon auszugehen, dass an den Schulen Erziehungskompetenz durch eigene kritische Reflexion bereits vorliegt. Darüber hinaus werden durch Fortbildung, Beratung und Training dieo.g. Personengruppen in der Stärkung ihrer Erziehungskompetenz unterstützt. Dabei werden auf der Basis positiv wirksamer Erziehung die unten angeführten Inhalte vermittelt.

3.2.1. Theoretische Grundlegung für eine positiv wirksame Erziehung
In die theoretische Grundlegung fließen die neuesten Ergebnisse der Gehirnforschung ein. Erziehung wird darüber hinaus unter dem Aspekt der emotionalen und sozialen Entwicklung auf der Grundlage sozialpsychologischer bzw. entwicklungspsychologischer Erkenntnisse aufgezeigt. Auf diesem Hintergrund kristallisiert sich ein klares Bild positiv wirksamer Erziehung heraus, die insbesondere der Prävention dient.
Sanders definiert diese Form der Erziehung folgendermaßen:
Sie „hat das Ziel, die kindliche Entwicklung zu fördern und mit kindlichem Verhalten in einer konstruktiven und nicht verletzenden Weise umzugehen. Grundlage dafür sind Zuwendung und eine angemessene Kommunikation. Lehrerinnen und Lehrer können ihren Kindern durch eine positive Erziehung helfen, ihre Fähigkeiten zu entwickeln und ein positives Selbstbild aufzubauen. Diese Kinder werden mit geringerer Wahrscheinlichkeit Verhaltensauffälligkeiten entwickeln“ (Sanders, M., zit. nach Deegener, G.: Kritische Stellungnahme zum Triple, P, S. 6).

3.2.2. Bausteine für emotionale und soziale Entwicklung
Aus der Analyse der unterschiedlichen Erziehungskonzepte ergeben sich Bausteine für emotionale und soziale Entwicklung. Sie sind kompetenzorientiert und umschreiben sowohl Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern sowie von Lehrerinnen und Lehrern. Diese Bausteine sind die Basis, um Handlungsstrategien zur Verfügung zu stellen.

3.2.2.1. Diagnostik
Die Diagnostik der emotionalen und sozialen Entwicklung geschieht auf vielfältige Weise. Sie erfolgt über Verhaltensbeobachtung, kollegialen Austausch, Einbezug der Erkenntnisse der Kind-Umfeld-Analyse, Kooperation mit schulischen und außerschulischen Partnern, aber auch über ein Einschätzverfahren zur Feststellung des Entwicklungsstandes einer Schülerin bzw. eines Schülers. Dadurch, dass durch Selbst- und Fremdeinschätzung ein Profil vorhandener Fähigkeiten erstellt wird, ist diese Form der Diagnostik kompetenzorientiert.
Die Einschätzung kann u.a. mit dem ELDIB, dem entwicklungspädagogischen Lernziel-Diagnose-Bogen (Bergsson, M.) erfolgen. Der Blick wird dabei auf die vorhandenen Fähigkeiten einer Schülerin bzw. eines Schülers gelenkt und zwar in den Bereichen des Verhaltens („Ich mache mit.“), der Kommunikation („Ich spreche/teile mich mit.“), der Sozialisation („Ich und die anderen“) und der Kognition („Schulleistungen“). Aufgrund entwicklungspsychologischer Erkenntnisse entwickeln sich die Fähigkeiten in diesen Bereichen in Entwicklungsstufen. Entwicklungsgemäße Förderziele lassen sich für jeden der Bereiche ableiten. Aus der Diagnostik des Ist-Standes werden Förderziele für die emotionale und soziale Entwicklung festgelegt.

3.2.2.2. Förderplanung
Aus der Festlegung des Entwicklungsstandes in den oben genannten Bereichen werden die individuellen Erziehungsziele ermittelt und gemeinsam mit der Schülerin bzw. dem Schüler formuliert. Diese individuellen Erziehungsziele werden in einem individuellen Erziehungsplan festgehalten. Sie können auch als Klassenregeln gebündelt und visualisiert werden, z.B. über das TeamPin-Board. Durch Interventionen, die sich an den Entwicklungsstufen orientieren, werden Schülerinnen und Schüler unterstützt, die formulierten Erziehungsziele zu erreichen. So dient die enge Verzahnung von Diagnostik und Förderung dem systematischen Aufbau von Verhalten. Diese Interventionen sind als erziehliche Kompetenzen zu sehen, die trainierbar sind. Weitere Fördermöglichkeiten bieten Programme des emotionalen und sozialen Lernens.
3.2.2.3. Stärkung der Erziehungskompetenz in den Bereichen Prävention, Intervention und Nachhaltigkeit
Grundlage für Erziehung und Unterricht ist die Entwicklung einer tragfähigen Lehrer-Schüler-Beziehung. Dies schließt das Bewusstmachen von Werthaltungen und Einstellungen und die Fähigkeit, diese kritisch zu hinterfragen mit ein. Die Wirkung der Interventionsstrategien beruht auf einer wertschätzenden und akzeptierenden Lehrer-Schüler-Beziehung. Ein solches Training zur Stärkung der Erziehungskompetenz dient der Prävention. Interventionen werden entwicklungsspezifisch zum Erreichen der formulierten Erziehungsziele von Seiten der Lehrerin bzw. des Lehrers eingesetzt. Sie dienen der Nachhaltigkeit pädagogischen Handelns und der Stabilisierung des emotionalen Erlebens und sozialen Verhaltens beim Schüler. Die Interventionen sind nicht nur auf den Entwicklungsstand der jeweiligen Schülerin bzw. des jeweiligen Schülers abgestimmt, sie sind auch in Bezug auf Prävention bzw. Krisenintervention gegliedert.
Während der Charakter der präventiven Intervention in der Aktion der Lehrerin bzw. des Lehrers liegt, ist die Krisenintervention, wie z.B. die Konfrontation eine Reaktion. Kriseninterventionen sind ebenfalls lernbar. So ist der Zehnpunktekatalog ein umfassendes Kriseninterventionskonzept (KMS vom 14.06.2004 Nr. IV. 7-5 O 8110-4.33 392).
In das Training von Lehrerkompetenzen fließen ebenfalls Methoden der Verhaltensmodifikation mit ein.

3.2.3. Unterricht unter dem Aspekt der emotionalen und sozialen Entwicklung
Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf in der emotionalen und sozialen Entwicklung sind in Unterricht und Erziehung auf klare Strukturen, Klarheit im zeitlichen Ablauf sowie auf Aktivitäten angewiesen, die sie beim Erreichen ihrer individuellen Ziele unterstützen. Über äußere Strukturierung erfahren sie innere Sicherheit und Halt. Auch die Lehrerrolle mit den jeweiligen Interventionsstrategien orientiert sich an den Entwicklungsstufen der Schülerinnen und Schüler. Während z.B. in einem niedrigeren Entwicklungsalter die Autorität der Lehrerin bzw. des Lehrers eine entscheidende Rolle spielt, nimmt sie/er sich mit zunehmendem Entwicklungsalter eher zurück und übernimmt die Rolle der unterstützenden Begleitung. Themen im Unterricht werden so ausgewählt, dass sie den jeweiligen Entwicklungsstufen und damit der emotionalen und sozialen Entwicklung von Schülerinnen und Schülern dienlich sind.

3.2.4. Schülerinnen und Schüler mit psychosozialen Entwicklungsrisiken
Schülerinnen und Schüler mit Entwicklungsrisiken zeigen vermehrt Auffälligkeiten im Verhalten. Die zugrunde gelegten Dispositionen bzw. Erfahrungen bergen ein Risiko in der emotionalen und sozialen Entwicklung, das sich vermehrt in sekundären Verhaltensauffälligkeiten offenbart. Schülerinnen und Schüler mit einem sehr hohen Förderbedarf vereinigen in sich häufig multiple Entwicklungsrisiken, wie z.B. das ADHS-Syndrom, das Posttraumatische Belastungssyndrom, psychosomatische Erkrankungen oder Teilleistungsprobleme in ihrer sekundären Auswirkung. Eine derart hohe Belastung in der Entwicklung bedarf der intensiven Kooperation mit Schulpsychologinnen und Schulpsychologen bzw. Beratungslehrkräften, insbesondere aber mit den Eltern und anderen Erziehungspartnern, aber auch mit der Erziehungsberatung, der Jugendhilfe, der Kinder- und Jugendpsychiatrie bzw. der Polizei.

3.2.5. Organisationsstruktur von Schule
Schulen mit Schülerinnen und Schülern, die einen erhöhten Förderbedarf in der emotionalen und sozialen Entwicklung aufweisen, sind häufig auf eine interne Umstrukturierung angewiesen. Aus einer Analyse von Organisationsstrukturen an Schulen zur Erziehungshilfe konnten Standards für Erziehung abgeleitet werden. Anhand dreier Schulkonzepte soll die Flexibilität von Schulen mit einem hohen Förderbedarf in der emotionalen und sozialen Entwicklung beispielhaft aufgezeigt werden:
- In einer Schule zur Erziehungshilfe (Heimschule) versucht man über schulhausinterne Maßnahmen den Förderbedürfnissen entgegenzukommen. Schülerinnen und Schüler mit einem hohen Förderbedarf in der emotionalen und sozialen Entwicklung sowie im Lernen werden in einer sogenannten Orientierungsklasse unterrichtet. Sie ist vergleichbar mit einer sonderpädagogischen Stütz- und Förderklasse. Zur Krisenintervention wurde klassenübergreifend ein sogenannter Therapieraum (time-out-Raum) eingerichtet. Um dies mit den gleichen Ressourcen zu ermöglichen, wurde zudem schulhausintern eine zeitliche Umstrukturierung von Unterricht vorgenommen.
- In einem weiteren Projekt – es wird ausschließlich in den Jahrgangsstufen 7 bis 9 durchgeführt – wird Unterrichtsstoff so reduziert, dass nur die Kernfächer Mathematik und Deutsch nach dem Lehrplan unterrichtet werden. Die Sachfächer werden aufgrund des individuellen sonderpädagogischen Förderbedarfs stark reduziert und ausschließlich projektorientiert angeboten. Die gewonnene Zeit wird anhand entsprechender Themen speziell zum Verhaltenstraining verwendet. Ziel ist es, die Schülerinnen und Schüler nach einem Jahr wieder in ihre Hauptschulstufe zu integrieren.
- Ein Sonderpädagogisches Förderzentrum hat in einem Schulentwicklungskonzept eine entwicklungspädagogische Unterrichtsschiene eingerichtet. An drei Tagen werden die Schülerinnen und Schüler über zwei Stunden mit Co-Lehrkräften so unterrichtet, dass Unterrichtsinhalte und Interventionen sich am Entwicklungsstand der Schülerinnen und Schüler und damit an Erziehungszielen orientieren. Die Schülerinnen und Schüler besuchen jeweils vor und nach dem entwicklungspädagogischen Unterricht ihre jeweilige Klasse.
Alle drei Beispiele bezeugen, dass interne Umstrukturierungen einem hohen Förderbedarf in der emotionalen und sozialen Entwicklung gerecht werden können.

4. Weiterbildung der Erziehungskompetenz-Teams
Die Weiterbildung des Erziehungskompetenz-Teams erfolgt, wie oben erwähnt, über den Arbeitskreis, die regionalen Treffen sowie über eine Fortbildungsreihe der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen. Aus diesen Maßnahmen heraus entwickeln sich die Themenschwerpunkte, mit denen das jeweilige E-Team beginnen wird.

4.1. Angebote der Erziehungskompetenz-Teams in enger Kooperation mit der Regierung
Die Angebote der E-Teams erfolgen in enger Zusammenarbeit mit der Regierung. Es können Spezialisierungen innerhalb des E-Teams stattfinden, wobei Schwerpunktthemen in den verschiedensten Konstellationen angeboten werden können, als einzelne Referentin/einzelner Referent, als Tandem oder in einem Dreier- bzw. Viererteam.

4.2. Ausbildung zum Regionaltrainer in Entwicklungspädagogik Außerdem wird der Erwerb eines Zertifikats über die „Qualifikation für pädagogische Fachkräfte in Entwicklungstherapie/Entwicklungspädagogik nach Mary M. Wood“ in Absprache mit den Regierungen unterstützt, die durch das Institut für Entwicklungstherapie/Entwicklungspädagogik e.V. (ETEP Europe) angeboten wird und zur Ausbildung zur Regionaltrainerin/zum Regionaltrainer in Entwicklungspädagogik führt. Dieses Angebot wird zurzeit von der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen vorbereitet und voraussichtlich in das Programm 2005/2006 aufgenommen.

5. Zusammenfassung Alle vorgestellten Maßnahmen werden im Jahr 2005 in Form eines Kompendiums zusammengeführt. Dabei werden die einzelnen Bausteine wie Diagnostik, Förderung, Beratung, Lehrerkompetenzen, Unterricht und Organisationsstruktur der Schule erarbeitet. Es wird darum gebeten, eigene Erfahrungen und Entwicklungen vor Ort über das Arbeitskreismitglied an das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) weiterzuleiten.

Mit freundlichen Grüßen
gez. Dr. Wittmann
Ministerialdirigent



Unter dem Begriff Erziehung versteht man (Quelle: www.wikipaedia.de):

1 die Etablierung von Verhaltensweisen, Grenzziehungen, Werten und Normen gegenüber Kindern und Jugendlichen, um ihnen ihrern Platz in der Familie zuzuweisen und später, um sie an das Leben und Überleben in der Gesellschaft anzupassen ("fit for life"). Innerhalb der weiterführenden Schulen ist Erziehung heutzutage gleichbedeutend mit Bildung. Im Englischen bedeutet der Ausdruck "education" Erziehung und Bildung.

2 Das Wort Erziehung bezeichnet auch die eigene Erziehung, also die Verhaltensweisen, Werte und Normen, die uns Eltern, Verwandte, Schule und andere pädagogische Einrichtungen als Prägung mit auf den Weg ins Erwachsenenleben mitgegeben haben.

3 Als Suffix in z.B. Musikerziehung, Sporterziehung, Verkehrserziehung für die Ausbildung von speziellen Fähigkeiten.

In der Pädagogik versteht man unter Erziehung das absichtliche (also nicht im Affekt) Bereitstellen oder Ausnützen von Lernmöglichkeiten! Dabei geht man bewusst, planvoll, methodisch und zielgerichtet vor und kann dieses Vorgehen auch verantworten. Das heißt, der Erziehende macht sich vorher darüber Gedanken, was er erreichen möchte. Er überlegt sich die Erziehungsziele, die dazu passenden Methoden die Ziele zu realisieren und kann auch begründen, warum dieses Vorgehen nötig ist.

Dieser Vorgang geschieht grundsätzlich in personaler Interaktion. Das heißt, der Erzieher reagiert auf ein Verhalten des Zu-Erziehenden (früher auch: "Zögling") und/oder umgekehrt. Die dabei entstehende Wechselwirkung (keine Manipulation) zwischen Erzieher und Zu-Erziehende unterscheiden die Erziehung von der bloßen Konditionierung.

Voraussetzung für Erziehung ist ein Vertrauensverhältnis sowie die Eingebundheit in die jeweilige Peer group. Ohne diese Voraussetzungen ist der Jugendliche auf sich allein gestellt, und kann bei ungünstigen Voraussetzungen in eine soziale Abwärtsspirale geraten, die ihn je nach Veranlagung bis in die Kriminialität oder die Psychiatrie führen kann.


Unter Bildung versteht Hartmut von Hentig

»den notwendigen und wünschenswerten Vorgang, im Laufe dessen wir erstens unsere Anlagen, also unsere Person, entfalten, zweitens taugliche Bürger werden und drittens an unserer historischen Lebensform, also unserer Kultur, teilhaben als deren erfreute Nutznießer und erfreuliche Fortzeuger und Kritiker.« [1] (http://www.f-r.de/uebersicht/alle_dossiers/bildung/sind_deutsche_schueler_dumm/?cnt=434924)

Kurz gefasst unterscheidet er also drei Bereiche: die persönliche Bildung, die politische Bildung und die berufliche Bildung.

Hentig hat Maßstäbe formuliert, an denen sich Bildung »messen« lässt. Damit meint er keinen Lernstoff, der sich durch Tests messen ließe, sondern Dinge, die im Menschen vorhanden sein müssen, wenn Bildung wirklich stattgefunden hat. Es sind dies

- Abscheu und Abwehr von Unmenschlichkeit,
- Wahrnehmung von Glück,
- die Fähigkeit und der Wille, sich zu verständigen,
- ein Bewusstsein von der Geschichtlichkeit der eigenen Existenz,
- Wachheit für letzte Fragen und
- die Bereitschaft zu Selbstverantwortung und Verantwortung in der Gesellschaft.

Daraus wird deutlich, dass es bei der Bildung auf zwei große Bereiche ankommt: Sachen zu klären und Menschen zu stärken.


Bildungsziele

Mögliche Bildungsziele sind Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt, Achtung vor der Würde des Menschen, Selbstbeherrschung und Spontaneität, Verantwortungsgefühl und Verantwortungsfreudigkeit, Hilfsbereitschaft, Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne, Ehrfurcht vor allem Lebendigen, Achtung vor der Überzeugung des anderen, Toleranz, Nächstenliebe, Gerechtigkeit, sittliches und politisches Verantwortungsbewusstsein, Frieden, berufliches Können, soziales Handeln, freiheitlich demokratische Haltung, Bewusstsein der zentralen Schlüsselprobleme der Menschheit, Solidarfähigkeit, Selbstbestimmung, Fähigkeit zu urteilen Fähigkeit zum eigenen Standpunkt und Kritikfähigkeit.


Bündnis für Erziehung (Quelle: www.bildungsportal.nrw.de)



Quelle: http://www.drogenfreie-erziehung.de/

Der Bund für drogenfreie Erziehung e.V. (BdE) ist eine Arbeitsgemeinschaft, in der PädagogInnen, Eltern, Jugendgruppen-Leiterinnen und andere zusammenfinden, die an einer aktiven Suchtvorbeugung interessiert sind.

Sucht wird von ihnen als eine mögliche Folge ausweichenden Verhaltens verstanden, bei dem sich durch zunehmende Gewöhnung an dieses Verhalten ein Zwang entwickelt hat, ein bestimmtes Mittel (Tabak, Alkohol, Medikamente, Nahrungsmittel, illegale Drogen) immer wieder einnehmen oder eine bestimmte Tätigkeit (Fernsehen, Spielen, Arbeiten) ständig wiederholen zu müssen.

Suchtvorbeugung muss also ausweichendes Verhalten aufzeigen und Alternativen anbieten, wie auf unangenehme Situtationen, Menschen oder Entscheidungen reagiert werden kann, ohne dass sich eine Gewöhnung an das Ausweichen einstellt.

Der BdE widmet seinen Arbeitsschwerpunkt den Suchtformen, die mit einer Mitteleinnahme – dem Suchtmittel – verbunden sind. Besonderes Augenmerk richtet er hierbei auf die legalen Drogen Nikotin und Alkohol.

Der BdE möchte mit seiner suchtvorbeugenden Arbeit dem Gebrauch dieser »Alltagsdrogen« ebenso entgegenwirken wie jenem illegaler Drogen. Dabei will der BdE

Aufgrund seines Verständnisses der Suchtentstehung möchte der BdE ganz besonders solche Aktivitäten unterstützen, die ihm geeignet erscheinen,

Der BdE ist hervorgegangen aus dem 1896 in Flensburg gegründeten Deutschen Verein enthaltsamer Lehrer, einem Berufsverband der Abstinenzbewegung, der später Deutscher Bund für alkoholfreie Kultur hieß. Seit 1980 arbeitet er unter dem gegenwärtigen Namen.

Die alkoholfreie Lebensweise wird auch heute noch von den Mitgliedern des BdE als sichtbarer Ausdruck einer Alternative zum Suchtmittelkonsum verstanden.

Darüber hinaus steht der BdE jedoch allen offen, die selbst nicht alkoholfrei leben, die aber die Grundsätze und Ziele des BdE anerkennen und seine Arbeit unterstützen wollen.

(Quelle: www.drogenfreie-erziehung.de/)


http://bebis.cidsnet.de/weiterbildung/sps/allgemein/bausteine/erziehung/werte-erziehung/karditug.htm

Werte-Erziehung

Werte-Erziehung vollzog sich in der Vergangenheit gleichsam von selbst. Sie war ein selbstverständlicher Teil dessen, was allgemein als Sozialisation bezeichnet wird, und beruhte ganz wesentlich auf dem Herkommen in Familie, Stand, Kirche, Gesellschaft. Das gewährleistete Verhaltenssicherheit, doch band es die Menschen so stark, dass diese Sicherheit als Knebelung empfunden wurde. Aufklärung und Revolution, Freiheitsbewegung und Emanzipation halfen die Fesseln abzustreifen.
     In unsere Zeit erleben wir eine nicht gewollte, jedoch dialektisch unausweichliche Gegenwirkung dieses Prozesses. Freiheit kann zur Strapaze werden. Wenn alles möglich ist, ist nichts mehr selbstverständlich. Die Vielzahl unterschiedlicher Wertvorstellungen hat die Menschen von dem Ausschließlichkeitsanspruch in früheren Zeiten befreit. Sie lässt jedoch einerseits notwendige Grenzen verschwimmen und löst andererseits Konflikte aus, die aus der Konkurrenz gegensätzlicher Wertvorstellungen resultieren. Diese Konflikte tragen sich nicht nur zwischen verschiedenen Individuen - interpersonal - zu, sondern auch innerhalb des einzelnen Individuums - intrapersonal.


Die Kardinaltugenden

In der europäischen Geistesgeschichte sind die Kardinaltugenden ein zentrales Thema philosophischen und theologischen Denkens; exemplarisch seien hier die Namen PLATON und THOMAS VON AQUIN genannt. Wie die Rede des Agathon in PLATONs Dialog „Das Gastmahl" (196 a - e) zeigt, müssen sie bereits damals im allgemeinen Bewusstsein vorhanden gewesen sein.

3.1 PLATON

PLATONs gesamtes Philosophieren ist eine intensive und umfassende Auseinandersetzung mit den sittlichen Leitlinien menschlichens Handelns. Als Kardinaltugenden nennt er


3.2 Tugenden im alten Rom

Die Wertvorstellungen des alten Rom sind aus mehreren Gründen ideengeschichtlich interessant. Schon früh haben die Römer eigene und sehr spezifische Wertvorstellungen entwickelt. Diese waren religiös fundiert und zugleich ausgeprägt gesellschaftlich orientiert. Typisch für die Grundhaltung der Römer ist es, dass sie als Pflichten und Gebote verstanden wurden, die unbedingt zu befolgen waren.
     Auch als die Römer die griechische Philosophie und ihre Lehre von den Kardinaltugenden kennengelernt hatten, blieben die „altrömischen" Wertvorstellungen wirkungsmächtig und beeinflussten ihrerseits das nachrömisch-europäische Denken.
     Als zentrale Beispiele seien im an Anschluss an Gabriele THOME (2000 I, S. 135, II S. 152) aufgeführt und zugleich deren Bedeutungsentwicklung genannt:


3.3 THOMAS VON AQUIN

THOMAS VON AQUIN wird hier als der repräsentative Denker der christlichen Ethik vorgestellt. Er übernahm die Kardinaltugenden der Antike, doch ergänzte er sie in dem System seiner Ethik durch ein christliches Gegenstück, wie es von dem Apostel PAULUS (1. Brief an die Korinther 13, 13) formuliert worden ist - die Dreiheit von

Den Rang einer Kardinaltugend nimmt die Nächstenliebe ein, weil sie in der christlichen Ethik einen besonderen Stellenwert hat. Im Evangelium nach Matthäus (22, 27-28) wird Jesus von Nazareth zitiert. Sich auf das Alte Testament beziehend (5. Mose 6,5) spricht er:

„Du sollst lieben Gott, deinen Herrn,
von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte.
Dies ist das vornehmste und größte Gebot.
Das andre aber ist dem gleich:
»Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.«

3.4 Frühe Neuzeit

Bei GEULINCK, einem Autor des 17. Jahrhunderts, findet sich eine Aufzählung von Kardinaltugenden, die - aus der Sicht unserer Tage - zur Problematik sekundärer Tugenden überleitet:

Hier sei angemerkt, dass die - heute eher skeptisch oder ablehnend betrachteten - bürgerlichen Tugenden in ihrer Zeit einen besonderen Stellenwert gewonnen hatten. Sie waren die Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg. Damit trugen sie zur Unabhängigkeit des Bürgertums gegenüber den Wertvorstellungen und Herrschaftsansprüchen des Adels dar und hatten - modern gesprochen - eine geradezu emanzipatorische Funktion.


3.5 Hallescher Pietismus und „preußische" Tugenden

Geradezu exemplarisch wird die Bedeutung der Tugenden in der Pädagogik des Theologen und - modern gesprochen - Sozialpädagogen August Hermann FRANCKE sichtbar. Nicht nur seine Leistung, sondern auch die von ihm formulierten Maximen können nur dann angemessen gewürdigt werden, wenn man sie vor dem Hintergrund eines Elends sieht, wie es heutzutage die Straßenkinder in der Dritten Welt durchleiden.

Fünf Werte und Tugendfelder waren in FRANCKEs Handeln besonders wichtig:

Das sind keine Kardinaltugenden im Verständnis unserer Zeit. Im Halleschen Pietismus bei bildete jedoch für jede dieser Tugenden der christliche Glaube den unmittelbaren Bezugspunkt. Tugendhaftigkeit war - im weiteren Sinne des Wortes - Gottesdienst.

Der Einfluss FRANCKEs und seiner zahlreichen Schüler auf die Entwicklung Preußens war beachtlich. Er wurde kürzlich in einer Ausstellung der Franckeschen Stiftungen zu Halle eindrucksvoll dokumentiert und in differenzierter Form rehabilitiert. Wenn Sie sich kurz über H. A. FRANCKE informieren wollen finden Sie hier eine Übersicht seiner Lebensdaten, Tätigkeiten und Leissssstungen. FRANCKEs sozialpädagogische und bildungspolitische Leistung wird dargestellt und vorurteilsfrei gewürdigt von Peter MENCK (2001).
     Uns ist die Ambivalenz dieser Tugenden offenkundig. Unvergessen ist das Verdikt Oskar LAFONTAINEs, das seien Tugenden, „mit denen man ein KZ leiten könne" - so in einer Replik gegenüber dem damaligen Bundeskanzler Helmut SCHMIDT.
     Doch auch in unserer Zeit mit ihren postmateriellen Wertvorstellungen lässt sich die Einsicht nicht abweisen, dass „sekundäre" Tugenden wie Zuverlässigkeit, Pflichtgefühl, Verzicht- und Leistungsbereitschaft u.a. grundlegende Voraussetzungen für Funktionieren und Bestand einer demokratischen Staats- und Gesellschaftsordnung sind.


3.6 Die Rangordnung der Tugenden

Die Reihenfolge in der Aufzählung der Kardinaltugenden ist zugleich auch eine Rangordnung. In seiner tief schürfenden Analyse und Interpretation der Kardinaltugenden kommt Josef PIEPER zu folgenden Feststellungen.
     Die Klugheit - als das Insgesamt menschlichen Erkenntnisvermögens - ist Ursache, Wurzel, „Gebärerin", Maß, Richtschnur aller Tugenden. Denn das Richtige kann nur tun, wer die Wirklichkeit kennt. Sie ist somit die Ursache dessen, dass die übrigen Tugenden Tugenden sind.

Der Bedeutungshorizont des Wortes „Klugheit" enthält Aspekte, die dessen umgangssprachliche Verwendung nicht ohne Weiteres assoziieren lässt. Hier iist vor allem an die Fähigkeit zu selbständigem Urteil und begründeten „Entscheidungen unter pluralistischen Bedingungen" zu denken. Darauf hat jüngst Clemens ALBRECHT (2001 S. 891) sehr dezidiert aufmerksam gemacht.
     Das wirklichkeitsgerechte Verständnis von Klugheit wird wesentlich durch die Ergebnisse der neurobiologischen Grundlagenforschung bestimmt. Sie werden in den Arbeiten von Gerhard ROTH (1996/2000 und vor allem 2001) exemplarisch vorgestellt.


3.7 Der Bezugspunkt der Kardinaltugenden

Die vorstehenden Gedanken sind nur unter der Voraussetzung schlüssig, dass sie über den Menschen hinausweisen, also - in philosophischer Begrifflichkeit - transzendent sind. Der Bezugspunkt aller Aussagen, die PLATON zu Fragen der Ethik macht, ist die Idee des Guten. Sie ist der Urgrund alles sittlichen Handelns.
     Damit ist ein fundamentales Thema der Ethik berührt, nämlich die Frage, ob die Maßstäbe menschlichen Handelns metaphysisch begründet, naturrechtlich vorgegeben oder aber gesellschaftliche gesetzt sind. Das Ringen der Philosophie um eine Lösung dieser zentralen Fragestellung kann hier nicht im Einzelnen dargestellt werden, ist jedoch gerade in der Gegenwart aktuell. Vertiefungen dazu finden Sie auf der Webseite „Werte-Erziehung - Einführung in das Thema".
     Dass die Ideenlehre PLATONs nicht lediglich historisch bedeutsam ist, sondern ihr Grundgedanke auch als weiterhin aktuell angesehen werden kann, hat Wolfgang STEGMÜLLER aufgezeigt. Wenigstens erwähnt seien auch Immanuel KANTs drei epochale Werke Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (1785, 2. Auflage 1786), Kritik der praktischen Vernunft (1788) und Die Metaphysik der Sitten (1797, 2. Auflage 1798).


3.8 Der Kategorische Imperativ

Immanuel KANT hat die Frage nach dem Maßstab sittlichen Handelns eine Antwort formuliert, die die in Nr. 3.5 erörterte Problematik offen lässt. Sein „Kategorischer Imperativ" bindet die Prinzipien, nach denen der Einzelne handeln soll, an die Bedingung, sie müssten sich zugleich dazu eignen, Prinzipien einer allgemeinen Gesetzgebung zu sein. Den Begründungszusammenhang und die Formulierungsvarianten finden Sie auf der Webseite „Der Kategorische Imperativ".

3.9 Die pädagogische Dimension

Hier braucht nicht betont zu werden, dass die vorgestellten Sachverhalte und überleguingen nicht gleichsam „pur" unterrichtet werden können, sondern in ein jeweils altersgemäßes didaktisches Konzept eingebettet werden müssen.
    Wie gerade die Kardinaltugenden im Unterricht behandelt werden können, dafür gibt Hans AEBLI (1997, S. 102 ff.) einfühlsame Hinweise. Die Schlusspassage (S. 110 f.) sei zitiert:

„Die Betrachtung der antiken und der modernen Tugenden ist für den Erzieher kein Luxus, auch wenn sich daraus keine handfesten Schlußfolgerungen ergeben. Wenn wir ein Leben lang in der Schulstube stehen und die schwierige Aufgabe des Erziehens jeden Tag aufnehmen und  uns darin bewähren müssen, so brauchen wir dazu Richtpunkte, die im Unendlichen liegen. [ ...] Wenn es uns auch immer wieder mißlingt, den großen Ideen der Ethik gerecht zu werden, und wir immer wieder feststellen, daß wir weit von ihrer Realisierung entfernt sind, so bleiben sie doch notwendig und hilfreich. Der Seefahrer erreicht den Polarstern auch nicht. Aber er braucht ihn, um die Richtung zu halten. Einem solchen Seefahrer gleicht auch der Erzieher."



Quelle: http://www.forumbildung.de/templates/index.php

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